Die Therapieplatzsuche

Wenn Sie meine Startseite aufmerksam gelesen haben, ist Ihnen sicherlich der folgende Hinweis aufgefallen: Auch wenn mir grundsätzlich alle Menschen sehr willkommen sind, habe ich aktuell nicht die Möglichkeit mit den gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen. Daher übernehme ich Behandlungen nur im Rahmen einer privaten Krankenversicherung, der Beihilfe oder für Selbstzahler:innen.

Meine erste Idee war es, Ihnen in diesem Artikel nahezulegen, wie sich die Versorgung mit Psychotherapie-Plätzen gestaltet und warum es immer wieder zu langen Wartezeiten kommt. Vielmehr möchte ich Ihnen aber ein paar grundlegende Hilfestellungen beschreiben, die die Therapiesuche zwar vermutlich nicht weniger anstrengend, aber gegebenenfalls zielführender machen kann.

Das Wichtigste zuerst: Protokollieren Sie in jedem Fall jegliche Anstrengungen, die Sie in Bezug auf die Suche nach einem Psychotherapieplatz unternommen haben. Notieren Sie, wann Sie welche Praxis auf welche Weise kontaktiert und welche Rückmeldung Sie erhalten haben. Diese Informationen können hilfreich sein, wenn Sie trotz Ihrer Bemühungen keinen Behandlungsplatz erhalten.

In einem weiteren Schritt kann es im Falle eines fehlenden Therapieplatzes für Sie dann nämlich darum gehen, mit Ihrer Krankenkasse zu sprechen, hier die Nachweise Ihrer Bemühungen vorzulegen und um Unterstützung zu bitten. In manchen Fällen genehmigen die gesetzlichen Krankenkassen auch die Kostenerstattung psychotherapeutischer Leistungen über eine Privatpraxis für Psychotherapie, wenn die Kosten der Behandlung nicht die Beträge übersteigt, die die gesetzliche Krankenkasse bezahlen würde. Wichtig hierbei ist, dass Sie bei Antragstellung auf eine Kostenerstattung angeben, in welcher Praxis die Behandlung stattfinden soll und der:die Psychotherapeut:in einer Behandlung im Rahmen einer Kostenerstattung auch eingewilligt hat. Zudem sind auch hier die Vorgaben der beruflichen Qualifikationen einzuhalten, eine staatliche Approbation muss in jedem Fall vorliegen, sodass u.a. Heilpraktiker:innen für Psychotherapie oder private Coaching-Anbieter:innen nicht infrage kommen.

Es gibt im Internet einige Suchplattformen, die Sie bei der Suche nach einem Behandlungsplatz unterstützen können:

Die 116117 bietet neben der telefonischen Beratung ihren Patientenservice für gesetzliche versicherte Personen auch online an. Die Suchmaske finden Sie unter folgendem Link: https://arztsuche.116117.de/.

Hierbei können Sie sowohl den Umkreis festlegen, als auch Ihre Suche nach Psychotherapie über den Button ‚Weitere Suchkriterien‘ noch genauer anpassen. Neben dem genauen Fachgebiet können Sie unter dem Reiter ‚Psychotherapie’ auch das gewünschte Verfahren angeben, sowie nach Einzel- oder Gruppentherapie filtern. Bitte beachten Sie, dass Sie diese Suchseite nur psychotherapeutische Praxen beinhaltet, die über eine Zulassung zur Abrechnung mit gesetzlichen Krankenkassen verfügt.

Über die Seite der www.116117.de gibt es für gesetzlich Versicherte außerdem die Möglichkeit, Sprechstunden mit und ohne den sogenannten Termincode zu buchen. Einen Termincode erhalten Sie entweder von Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen, wenn Sie dort in einer Sprechstunde waren und eine dringliche Behandlung zwar notwendig ist, die Praxis selber aber keinen Behandlungsplatz anbieten kann. Unter https://www.eterminservice.de/terminservice können Sie den Code (wenn vorhanden) und Ihre Daten angeben, sowie den Umkreis festlegen und dann bei infrage kommenden Terminen auch direkt einen solchen buchen. Beachten Sie beim Ausfüllen der Suchmaske bitte, dass online meist nur freie Termine für Sprechstunden angeboten werden, freie Therapieplätze werden selten bis gar nicht online zur Verfügung gestellt.
Sollten Sie keinen Code haben, können Sie mithilfe Ihrer E-Mail-Adresse aber ebenso freie Sprechstunden in der Umgebung abrufen.

Ebenfalls hilfreich, hier auch für Privatversicherte, ist die Suchmaske der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (dptv): https://www.dptv.de/psychotherapie/psychotherapeutensuche/
Hier können Sie bei der Suche gezielt Privat- oder auch Kassenpraxen auswählen. Darüber hinaus können Sie unter “Erweiterte Suche” auch das gewünschte Therapieverfahren sowie gezielte Methoden oder Qualifikationen abrufen. Zudem können Sie die Suche nach der Erkrankung oder Ihren Beschwerden/ Themen ausrichten. Mithilfe der Umkreissuche rund um Ihren Wohnort lassen sich die Ergebnisse dann auch gut nach der Entfernung sortieren. Bitte beachten Sie, dass in dieser Suchmaske ausschließlich psychologische Psychotherapeut:innen gelistet sind.

Bei der Kontaktaufnahme mit einer psychotherapeutischen Praxis sollten Sie zunächst nach einem Termin für eine Sprechstunde fragen. Dieser kann teilweise relativ zeitnah erteilt werden, wenn die Praxis dementsprechende Kapazitäten vorhalten kann. Dabei dient die Sprechstunde der ersten Abklärung zur Indikation einer ambulanten Psychotherapie und gegebenenfalls auch dazu, weiterführende oder ergänzende Hilfestellungen zu empfehlen. Im Rahmen der gesetzlichen Krankenkassen wird Ihnen nach der Sprechstunde das sogenannte PTV11 ausgehändigt, fragen Sie gern auch aktiv hiernach. Dieses Sprechstundenprotokoll dient gegenüber anderen Psychotherapeut:innen als Anhaltspunkt und gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse als Nachweis Ihrer aktiven Suche nach einem Behandlungsplatz. Verwahren Sie dies also und legen Sie es ggf. bei einer weiteren Sprechstunde sowie bei der Kontaktaufnahme mit der Krankenkasse vor.

Weitere ausführliche Informationen zur Therapiesuche und zur ambulanten Psychotherapie allgemein finden Sie in der Broschüre „Wege zur Psychotherapie“ der Psychotherapeutenkammer NRW (online abrufbar unter: https://www.ptk-nrw.de/fileadmin/user_upload/downloads/05_patienten/Broschueren/Wege_zur_Psychotherapie__PTK_NRW_01.pdf). In dieser Broschüre werden auch die unterschiedlichen Psychotherapie-Verfahren sowie Rahmenbedingungen und Grenzen einer ambulanten Psychotherapie erklärt.

In vielen Fällen empfiehlt es sich, zusätzlich zur Psychotherapie-Suche auch Kontakt zu alternativen Anlaufstellen aufzunehmen, um eine erste Entlastung und auch möglicherweise Unterstützung bei der Suche zu erhalten. Ich verweise an dieser Stelle unter anderem auf den Sozialpsychiatrischen Dienst Ihres Wohnorts oder Landkreises (SpDi). Dieser dient in NRW als Teil des Gesundheitsamtes der lokalen Versorgung von Bürger:innen im Zusammenhang mit psychischer Erkrankung gemäß dem PsychKG. Der Umfang der Hilfestellung kann je nach Dienst abweichend sein, in den meisten Fällen sind SpDis aber gut mit dem lokalen Hilfenetzwerk vertraut und können auf entsprechende Stellen verweisen. Je nach Anliegen können Sie sich auch direkt an eine spezifische Beratungsstelle wenden. Zu nennen sind hier exemplarisch Suchtberatungsstellen, Frauenberatung, sowie Ehe-, Familien- und Paarberatungsstellen. Den Flyer des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Ennepe-Ruhr-Kreises finden Sie unter folgendem Link: https://www.enkreis.de/politik-verwaltung/verwaltung/dienstleistungen-a-z/details?c7-item=2963213. Sollte Ihr Wohnort außerhalb des Ennepe-Ruhr-Kreises liegen, kontaktieren Sie bitte die für Sie zuständige kommunale Verwaltung.

Je nach Stabilität und Symptomatik könnte auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe hilfreich sein. Über die Suchfunktion der Website vom Selbsthilfenetz können Sie die zuständige Selbsthilfekontaktstelle finden: https://www.selbsthilfenetz.de/suchen-und-finden/selbsthilfe-kontaktstelle-finden.

In jedem Fall wünsche ich Ihnen viel Kraft, Durchhaltevermögen und Gelingen bei der Suche nach einem Psychotherapie-Platz und achten Sie gut auf sich.

Titelbild: Foto von Rosie Steggles auf Unsplash

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