Das Chamäleon

Ein Gedicht über die unsichtbare Anpassung in einer neurotypischen Welt

 

In Perfektion 

versteck 

ich 

Mich 

Wie ein Chamäleon 

fall ich meistens nicht mehr auf 

Weil ihr alle hier zuhauf

In bunten Farben vor mir steht 

Obwohl das keinen Sinn ergibt 

In einem grünen Blattgebiet

Es ist absurd

Und doch bin ich 

Der, der nicht spurt

Ich versteh ja was du sagst 

Doch sagst du nicht was ich versteh 

Wie kann es sein, dass ich trotz allem 

Deinen Sinn in Dir nicht seh

Wie kann es sein, dass Du, 

ganz wider der Natur 

ihren Gesetzen nicht mehr folgst 

Und ich der bin, der auf dem Holz

Ganz abseits steht 

und dem die Orientierung fehlt 

Auf seinem Weg 

Das ist doch logisch 

Oder nicht

Dass all das nicht mehr funktioniert? 

Doch was bedeutet Funktionieren 

Und was heißt schon Können 

Wollen 

Sollen 

Meine bunten Farben 

Sind doch nur 

Reaktion auf eure Welt 

In der ihr Blätter 

Malt 

Wie’s euch gefällt 

Und plötzlich ist das grüne Tier 

Schier 

Fehl am Platz auf diesem Baum 

Ich spiel das alles nicht mehr mit 

Vielleicht 

Denn wozu die Kraft noch grade reicht 

Das male ich auf meine Haut 

Und schau dich an 

Solang 

Ich 

kann 

Titelbild: Foto von Ante Hamersmit auf Unsplash

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Der Schreck